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Peruphasma schultei

Futter:
Ähnlich wie die Farnschrecke Oreophoetes peruana ist auch diese Phasmide ein Nahrungsspezialist. Brombeeren und andere Rosengewächse, Eichenlaub und Ahorn wie bei Gespenstschrecken verfüttert werden können, werden von den Tiere nicht angenommen. Ich füttere das ganze Jahr über mit Liguster, denn auch im Winter findet man an den Hecken von mediterranen Liguster-Sorten immer noch genügend frische Blätter. Im Sommer können ausserdem Flieder und Forsythie gegeben werden. Beide Pflanzen habe ich ausprobiert und sie werden gut angenommen. Leider verlieren diese beiden Arten im Winter ihr Laub komplett, so dass sie für eine ganzjährige Fütterung nicht zur Verfügung stehen.
Liguster gehört wie Forsythie und Flieder zur Familie der Ölbaumgewächste (Oleaceae), so dass hier Experimente mit anderen Futterpflanzen sicherlich sehr interessant wären, da auch andere interessante Phasmiden wie beispielsweise Necroscia annulipes in den europäischen Zuchten auf Ligusterblättern gehalten werden. Ich werde im Laufe der Zeit hier meine Erfahrungen mit anderen Futterpflanzen einstellen und updaten, wie ich das auch mit den Farnen bei der Pflegeanleitung für Farnschrecken bereits praktiziere.
Als Futterpflanzen interessant wären andere Oleaceae, welche hier in Europa heimisch sind, z.B. den Eschen-Arten oder Jasmin, oder auch mal einen Oliven-Zweig anbieten. Sieht man die verwandtschaftlichen Verhältnisse der Pflanzenarten noch etwas großräumiger, dann ist man bei der Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales) angelangt. Hier findet man unter anderem die Wegerichgewächse, von denen ich bereits gehört habe, dass sie von anderen Liguster-fressenden Insekten angenommen werden. Das werde ich auf jeden Fall ausprobieren, denn Breitwegerich, den ich bisher nur als Unkraut im Rasen betrachtet habe gibt es hier in Deutschland massenweise. Und vielleicht taugt der Spitzwegerich ja auch noch zu mehr als Hustentee? Es bleibt auf jeden Fall spannend. Fingerhut aus dem Tribus Digitaleae würde ich vielleicht wegen der giftigen Digitalisglycoside nicht unbedingt sehr weit oben auf der Liste der auzuprobierenden Futterpflanzen ansiedeln.

Temperatur:
Die Tiere gedeihen bei 18°C bis 24 °C bestens und vermehren sich sehr gut. Die Tiere entwicklen sich bei den doch relativ niedrigen Temperaturen erstaunlich schnell.

Feuchtigkeit:
Peruphasma schultei halte ich moderat feucht und vermeide Staunässe im Bodensubstrat. Gelegentliches Abtrocknen scheint den Tieren und den Eiern nicht zu schaden.

Terrarium:
Bei mir leben ca. 15 adulte Tiere in einem Terrarium mit den Abmessungen 20x20x40.

Vermehrung:
Die Weibchen sind nach der Reifehäutung deutlich massiger als die Männchen und die Männchen haben am Hinterleib eine Verdickung. Daran kann man die Geschlechter sehr gut unterscheiden, wenn ich wieder adulte Tiere habe werde ich dazu auch noch Bilder hier einstellen. Die Verpaarung beginnt ca. 4-6 Wochen nach der Reifehäutung und die ersten Eier findet man 2-3 Wochen später. Die Eier sind relativ robust und vertragen gelegentliches Abtrocknen des Bodensubstrates gut. Nach 5-6 Monaten schlüpfen die Jungtiere mit einer Körperlänge von ca. 10 mm. Sie sind sehr agil und beim Säubern des Terrariums entwischen sie gern mal wenn man nicht sehr aufpasst. Im Gegensatz zu anderen Phasmidenarten rennen die Tiere sehr schnell und bleiben auch erst nach einiger Zeit wieder stehen.

Weitere Informationen:
Die Tiere besitzen so wie viele andere Phasmiden ein Wehrsekret, welches bei Bedrohung abgegeben wird. Meist läuft es als weißliche Flüssigkeit am Körper herab, aber die Tiere können es auch aktiv versprühen, wenn sie sich zu sehr belästigt fühlen. Hier ist also etwa Vorsicht angebracht. Ich trage auf jeden Fall medizinische Einmal-Handschuhe aus Latex wenn ich die Tiere umsetzen muss und halte den Kopf immer von mir weg, so dass der “Schuss” im Falle des Falles ins Leere und nicht in meine Augen geht. Von Freunden habe ich auch schon gehört, dass die Tiere kollektiv ihr Sekret abgeben können und dann das ganze Terrarium mit dem Dampf gefüllt ist. Das soll dann etwas in den Augen brennen, wenn man nicht vorsichtig ist. So etwas habe ich allerdings bei meinen Tiere noch nie beobachtet (ich züchte die Art jetzt seit ca. 1,5 Jahren).
Die Tiere sind tagsüber recht wenig aktiv und pressen sich eng an die Stengel der Futterpflanzen oder in die Ecken des Terrariums. Nachts sind sie deutlich aktiver und fressen dann auch.
Beide Geschlechter haben als adulte Tiere kleine rote Flügel, die sich zwar nicht zum Fliegen eignen, aber bei Gefahr warnend aufgestellt werden.
Die Art ist erst seit relativ kurzer Zeit in Europa in Kultur, da sie erst 2004 in der Cordillera del Condor (Peru) entdeckt wurde. Da Peruphasma schultei nur in einem sehr eng begrenzten Areal von wenigen Hektar vorkommt, steht die Art unter Schutz. Um die Art zu erhalten wurde  ein Zuchtprogramm mit den Bewohnern des Nationalparkes gestartet, bei dem die Hälfte der Nachzuchten ausgewildert und die andere Hälfte verkauft wird. Da die Art leicht nachzüchtet scheint der Bestand in den Sammlungen und das Überleben in der freien Natur damit gesichert zu sein.
 

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